Offener Brief an OB und Rat: Wohnen für alle – wie sieht die Bilanz am Ende der Ratsperiode aus? Wie geht es weiter? (06.04.2020)

Wir – die Initiative WohnenWagen – haben uns mit einem offenen Brief an Frau Oberbürgermeisterin Reker und den Rat der Stadt Köln gewandt. Anhand verschiedener Beispiele aus Deutschland zeigen wir auf, wie Wohnen für alle ermöglicht werden kann. Am Ende fragen wir, was in der zu Ende gehenden Ratsperiode in Köln geleistet wurde und bitten darum, dass zukünftige Bauvorhaben durch die GAG und städtische Wohnbaugesellschaften realisiert werden.

Wir werden über die Antworten berichten!

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Offener Brief vom 06.04.2020

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

liebe Ratsmitglieder,

sehr geehrte Damen und Herren, 

in den letzten Monaten der Ratsperiode haben wir, die Initaitive WohnenWagen, einge Fragen und Anregungen an Sie:

I

Betr.: KStA, 27. März 2020 „Dringend gesucht: Seniorenwohnungen“

In dem o.g. Artikel wird die Freude benannt, dass nach jahrelangem Warten 150 Wohneinheiten gebaut werden können. Gebaut werden sollen u.a. 40 Reihenhäuser und 67 seniorengerechte Wohnungen. Nicht genannt wird, ob auch Wohnungen gebaut werden, die Leute mit kleinerem Einkommen: Polizist*innen, Krankenschwestern*, Verkäufer*innen usw. bezahlen können.

Bauherrin ist die Interhomes aus Bremen. Interhomes-Chef Frank Vierkötter im Interview des „Weser Kuriers“ vom 4.6.18: „ Eine Gasleitung oder Wasserleitung ist bei einem Haus im Niedrigpreissektor nun einmal genauso teuer wie bei einer Luxuswohnung. Deswegen sind viele meiner Kollegen nur im Hochpreissegment tätig.“Auch wenn Interhomes möglicherweise nicht ganz so hochpreisig baut wie Pandion, TAS, WvM u.a. so dürfte doch der größte Teil der geplanten Wohnungen nicht für die Polizeibeamtin, Verkäuferin, Krankenbruder pp leistbar sein.

 

 II

Zitate aus „Manager Magazin“

Das Problem: Zu wenig Wohnungen, zu hohe Preise und Mieten

Kern des Problems ist jedoch: Es gibt vor allem in den Großstädten zu wenig Wohnungen, und es werden zu wenige neu gebaut. So ist die Zahl der privaten Haushalte in den zehn größten deutschen Städten laut der Ratingagentur Scope seit 2010 um 600.000 gestiegen – im gleichen Zeitraum wurden aber nur 250.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Besonders fatal für Arbeitslose und Geringverdiener: Es gibt immer weniger Sozialwohnungen – knapp 2,9 Millionen waren es im Jahr 1990, derzeit sind es nur noch 1,15 Millionen. Und es werden noch weniger, weil in den kommenden Jahren weitere Wohnungen aus der Sozialbindung herausfallen. „Der Nachfrageüberhang verschärft sich und wirkt als Preistreiber sowohl bei den Mieten als auch bei den Kaufpreisen“, sagt Andre Schmöller, Geschäftsführer beim Immobilienunternehmen Domicil Real Estate in München.

 

III

Mit einer Architekturbörse hat Hamburg ein Verfahren aus Produktentwicklung, Standortmarketing und Grundstücksvertrieb erfolgreich umgesetzt. Damit wird der Fokus über den reinen Grundstücksverkauf hinaus auf die Realisierung hochwertiger und bezahlbarer Architektur und das Entstehen stabiler Nachbarschaften gelegt.Alle Häuser müssen mindestens den Standard KfW-Effizienzhaus 55 sowie die Auflagen der Hamburgischen Klimaschutzverordnung erfüllen. 

Das Architekturbüro Limbrock & Partner realisiert mit dem Finanzier Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft einen Geschosswohnungsbau, der den zukünftigen Bewohnern eine 8 Euro Netto-Kaltmiete (pro Quadratmeter Wohnfläche) auf dem freien Wohnungsmarkt zusichert. Dies war eine Auflage des Hamburger Senats und das Beispiel zeigt, dass auch ohne öffentliche Förderung ein sozialverträglicher Geschosswohnungsbau möglich ist. 

Das Büro schaffte dies mit der Begrenzung in der Bauausführung auf Notwendiges und der Verwendung moderner Bauverfahren. Z.B. Einsatz von seriellen Holzfertigteilen. (Fertigstellung Ende 2018). Die finanzierende Schweizer Versicherung beansprucht eine Rendite von mindestens 4% des eingesetzten Kapitals. 

 

 IV Aus der SZ vom 4.4.2020:

Seit 14 Jahren analysiert das Beratungsunternehmen Bulwiengesa in seiner Projektentwicklerstudie, wie viel in den deutschen Metropolen gebaut wird. In die aktuellen Zahlen, die Bulwiengesa in dieser Woche vorstellte ist die Corona-Krise noch gar nicht eingerechnet. Wie in jedem Jahr hat Bulwiengesa untersucht, wie viele Wohnungen derzeit geplant werden, sich in der Bauphase befinden oder vor Kurzem fertiggestellt wurden. Das aktuelle Projektvolumen ging der Studie zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent zurück. Untersucht wurden die Immobilienmärkte in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Frankfurt, Köln und Düsseldorf. In allen Städten werden weniger Wohnungen geplant oder gebaut, nur Berlin macht eine Ausnahme: In der Hauptstadt stieg das Projektvolumen um 2,4 Prozent.

Ein wesentlicher Grund für den Aufwärtstrend in Berlin sind die Aktivitäten der kommunalen Unternehmen, die seit einigen Jahren wieder neu bauen statt nur ihre Bestände zu verwalten. Auch in anderen Städten zeigt sich immer deutlicher, dass sich das Gewicht der Akteure verschiebt. Denn viele Kommunen haben das Ziel ausgegeben, mit ihren eigenen Gesellschaften wieder mehr selbst zu bauen. Fast immer sind das Mietwohnungen, meist im unteren oder mittleren Preissegment. Da viele städtische Unternehmen über Jahrzehnte gar nicht gebaut hatten, lief die Neubau-Offensive zunächst nur schleppend an. Jetzt schlagen sich die politischen Entscheidungen immer deutlicher in Zahlen nieder. Kommunale Unternehmen wie die Degewo und Howoge in Berlin, die ABG in Frankfurt oder die Gewofag in München gehören mittlerweile zu den größten Projektentwicklern. So stieg die Anzahl neuer Mietwohnungen in den untersuchten Städten deutlich an, im vergangenen Jahr um 11,5, in diesem Jahr immerhin noch um 5,9 Prozent. Der Anstieg geht allerdings zulasten des klassischen Bauträgergeschäfts, das seit 2018 rückläufig ist. In diesem Jahr ist der Rückgang mit 6,8 Prozent so stark, dass auch die wachsenden kommunalen Unternehmen den Verlust nicht kompensieren können, am Ende insgesamt also weniger Wohnungen gebaut werden.

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Wie die Studie zeigt, bauen seit einigen Jahren viele Bauträger wieder lieber Büros statt Wohnungen. Denn die Leerstände von Gewerbeimmobilien sind in vielen Metropolen extrem niedrig und die Büromieten deutlich gestiegen.

 

V

Wie sind die Zahlen der Kölner kommunalen Unternehmen? Nach unserem Eindruck ist die Kölner Stadtspitze noch lange nicht aufgewacht. Die Bauverwaltung vergibt Chancen. Frau Herr hätte beim Projekt Q111 wenigstens den Neubau der Wohnungen verlangen können, die durch die Entmietung und den Abriss des Wohnhauses 111 wegfallen. Stattdessen beruft sie sich auf die von der Immobilienlobby genannten Bedarfe (Hintergrund s.o.

Die Ratsperiode neigt sich dem Ende zu. Sie können die vergangenen 5 Jahre bilanzieren:

– Wieviele Wohneinheiten von „Wohnen für Alle“ hat die Stadt Köln planen und bauen lassen und

– wieviele Wohneinheiten für die Wohlhabenderen?

– Wie groß war der Anteil der gewerblichen Flächen am Bauvolumen? 

In der Stadtverwaltung sehen wir leider keine nennenswerten Kräfte, die dem derzeitigen ZDF-Virus-Slogan „Alle für Alle“ im Wohnungsbau folgen möchten. Im Gegenteil, Herr Greitemann favorisiert in seiner Praxis nach wie vor – z.B. mit den Visionen der Pandion – das „Wohnen für die Wenigen“  bei dem internationale Geldunterbringer darauf spekulieren, dass sich die verbauten Steine vergolden werden.

Warum kann die Stadt Köln nicht einmal dem Beispiel Hamburg folgen? Wenn der Schweizer Versicherung „Helvetia“  4% Rendite reichen…….?

Wir bitten Sie herzlichst und höflichst:

Geben Sie als politisch Verantwortliche der Stadtverwaltung den Auftrag, mit absolutem Vorrang von der GAG und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Schulen, Kindergärten und „Wohnen für Alle“ realisieren zu lassen.

Damit unsere Stadtgesellschaft Gemeinschaft bleiben kann.

Wir freuen uns über eine Antwort.

Mit herzlichen Grüßen

WohnenWagen

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